Seit einer Woche passieren praktisch keine Frachtschiffe mehr die Strasse von Hormus, eine wichtige Energieversorgungsader. Die Märkte reagieren nervös. Laut Einschätzung von Beobachtern könnte ein Unterbruch des Verkehrsweges von mehreren Wochen Dauer die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen.
Zu Beginn dieser Woche hat der Ölpreis die 100-Dollar-Marke überschritten. Seit Beginn des Angriffs gegen den Iran hat die Notierung um rund 50% zugelegt. Damit erreicht sie zwar ein Dreijahreshoch, ist jedoch noch weit entfernt von den Höchstpreisen währen der Finanzkrise 2008 oder der Energieversorgungskrise im Winter 22/23. Die Preise für Treibstoffe und Heizöl dürften in den nächsten Tagen jedoch spürbar anziehen.
Der Verkehr durch die Strasse von Hormus ist nach mehreren Angriffen auf Handelsschiffe praktisch zum Erliegen gekommen. Raketen- und Drohnenaktivitäten stellen weiterhin ein erhebliches Risiko für alle Schiffe in der Umgebung dar. Weil Öltanker weder in den Golf noch aus dem Golf zirkulieren können, füllen sich die Lagertanks in den Produzentenländern. Einige Raffinerien haben ihre Kapazitäten reduziert. Der Irak war gezwungen, seine Produktion zu drosseln, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate folgten diesem Beispiel, während Saudi-Arabien die Lieferungen von seinen Terminals am Roten Meer auf Rekordniveau erhöht.
Die Energieminister der G7-Staaten erörtern heute, ob die Internationale Energieagentur IEA zur Stabilisierung der Energiepreise strategische Reserven freigeben soll. US-Präsident Trump steht unter Druck, den starken Anstieg des Rohölpreises seit Kriegsbeginn zu stoppen. Der durchschnittliche US-Benzinpreis stieg bis Sonntag auf 3,45 Dollar pro Gallone, nach 2,98 Dollar pro Gallone vor einer Woche, und wird voraussichtlich weiter steigen, sofern Trump den Trend nicht umkehren kann.
Demgegenüber muss erneut betont werden, dass die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten gegenwärtig sichergestellt ist. Der Markt verfügt international wie national über ausreichend Erdöl und Erdölprodukte. Die Situation im Nahen Osten hat derzeit keine direkten Auswirkungen auf die Versorgung der Schweiz. Die kurz- und mittelfristige Entwicklung der Versorgungssituation ist massgeblich abhängig von Umfang und Dauer des Konflikts (insbesondere der Blockade der Strasse von Hormus).
