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Editorials 2023

2.2.2023 – Strom zu Öl statt Öl zu Strom

Anlässlich seines ersten grossen öffentlichen Auftritts als Energieminister forderte Bundesrat Albert Rösti vor Vertretern der Strombranche den massiven Zubau von Produktionsanlagen für Energie. Und obwohl derzeit Staumauern und alpine Solaranlagen im Zentrum des Interesses stehen, gab er sich technologie­offen hinsichtlich der Produktionsmethoden. An Ölkraftwerke dürfte er dabei wohl kaum gedacht haben. Und doch ist es ein Fakt, dass wir mangels gleichwertiger Alternativen auf Erdöl zurückgreifen. Wenn es hart auf hart kommt, wird die Schweiz ihre Stromversorgung in den kommenden Wintern mit Dieselgeneratoren zu sichern wissen.

Die Analogie zu früheren Phasen des Erdölzeitalters ist frappant. Nach dem Zweiten Weltkrieg hinkte die Stromproduktion dem wirtschaftlichen Aufschwung hinterher. Die Gesellschaft zerstritt sich ob der Frage, ob Gas-, Öl- oder Kernkraftwerke die Lösung bringen sollten, wodurch wertvolle Zeit verloren ging.

Mit der Entwicklung mithalten konnte nur Erdöl. Dank robuster Versorgungswege war es rasch, in zunehmenden Mengen und zu vergleichsweise günstigen Konditionen verfügbar. Der Verbrauch stieg damals geradezu kometenhaft an und trug damit massgeblich zur Versorgungssicherheit des Landes bei.

Zurück in die Zukunft: Ohne zusätzliche und zuverlässige Elektrizität bleibt die angepeilte Energietransition bis Mitte dieses Jahrhunderts eine Illusion. Dies ist zwar keine neue Erkenntnis, aber wohl der einzige gemeinsame Nenner unter den diversen Akteuren im Energiebereich. Es ist nicht zu erwarten, dass die Auseinandersetzungen zwischen den vielen Interessenvertretern bald beigelegt werden, geschweige denn alle technischen Hürden beseitigt sind. Linke Kreise pflegen gerne das Bild, die Mineralölbranche torpediere den Ausbau der erneuerbaren Stromkapazitäten. Das ist absurd, denn viel lieber, als Öl zu Strom zu machen, würde diese Branche Strom in Öl verwandeln. Sie ist Teil der Lösung und nicht des Problems.

Genauso wie wir in Zukunft mehr Strom brauchen, so sehr werden wir weiterhin auf flüssige Energieträger angewiesen sein. Deren Eigenschaften bezüglich Energiedichte, Lager und Transportfähigkeit werden von keinem anderen Energieträger erreicht. Die flüssigen Energieträger werden daher ihre zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit sowie in vielen weiteren Anwendungsbereichen auch in Zukunft behalten. Da wir vom Erdöl wegkommen wollen, auf flüssige Energieträger gleicher Qualität aber nicht verzichten können, werden Letztere unter Zuhilfenahme von Biomasse, Sonnenenergie oder Elektrizität hergestellt werden müssen. Wer heute im Erdölgeschäft tätig ist und sein Unternehmen über die Mitte des Jahrhunderts hinaus betreiben will, wird sich also der Forderung unseres Energieministers anschliessen: Wir brauchen rasch mehr Strom – zuverlässigen, bezahlbaren, mit CO2-armen Produktionsmethoden hergestellten Strom.

Bundesrat Rösti sprach von einem langen, steilen Weg, der vor uns liege. Um den zu schaffen, sind wir bis auf Weiteres auf Erdöl als treibende Kraft und zuverlässige Stütze angewiesen.

Roland Bilang, Geschäftsführer Avenergy Suisse

Editorials 2022

4.11.2022 – Versorgungssicherheit über alles

Die Energieversorgung gerät aus den Fugen, wenn die Politik, wie in den letzten Jahren, zu einseitig agiert. Die Auswirkungen spüren wir gerade schmerzlich.

Spricht man mit Branchenvertretern und Energieexperten über die schweizerische Energieversorgung, so kommt rasch das Bild des «Energie-Trilemmas» auf. Hinter diesem etwas kryptischen Begriff verbirgt sich der Gedanke, dass in einer erfolgreichen Energiepolitik folgende drei Aspekte im Gleichgewicht stehen müssen: erstens die Versorgungssicherheit – steht immer ausreichend Energie zur Verfügung? Zweitens die Wirtschaftlichkeit – ist die Energie für Wirtschaft und Gesellschaft erschwinglich? Und drittens die ökologische Nachhaltigkeit – welche Auswirkungen hat die Energieversorgung auf die Umwelt und das Klima? Wird einer dieser drei Aspekte überbetont – etwa durch ein zu offensives Eingreifen der Politik – gerät die Energieversorgung aus den Fugen.

Genau das ist in den letzten Jahren aber geschehen: seit langem dreht sich in der schweizerischen Energiepolitik alles nur noch um die Frage, wie klima- und umweltverträglich unsere Energieversorgung zu sein hat. Öl, Gas und Atomkraft haben unter diesem Gesichtspunkt bekanntlich schlechte Karten und stehen entsprechend unter Druck: Die Atomenergie wurde mit dem Ja der Bevölkerung zur Energiestrategie 2050 faktisch zu Grabe getragen und der Ausstieg aus den fossilen Energien soll ebenfalls in wenigen Jahrzehnten Realität werden. Die entstehende Lücke soll voll und ganz durch erneuerbare Energieträger wie Photovoltaik, Windenergie, Biogas und Wasserkraft gefüllt werden. Eine Strategie, die ausschliesslich unter dem Gesichtspunkt des Klima- und Umweltschutzes aufgegleist wurde. Sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die Verfügbarkeit wurden sträflich vernachlässigt.

Man könnte verharmlosend auch von einer «Schönwetterstrategie» sprechen: Solange die weltweiten Versorgungsketten ungehindert liefen, ausreichend Strom importiert werden konnte und die in die Jahre gekommenen Atomkraftwerke dies- und jenseits der Grenze weiterbetrieben wurden, blieben die offensichtlichen Schwächen der Energiestrategie 2050 unter dem Deckel. Nun aber, da infolge der weltweiten Versorgungskrise, der Rezession und des Ukrainekriegs die Märkte verrücktspielen und alte Gewissheiten plötzlich nichts mehr gelten, fällt das Kartenhaus in sich zusammen. Nun gilt es, den Fokus weg von der Nachhaltigkeit zu nehmen und die anderen beiden Ecken des Energie-Dreiecks zu stärken. Haben wir ausreichend verfügbare, günstige und rasch lieferbare Energie? Möchte man diese Frage mit ja beantworten, kommt man um den Energieträger Erdöl nicht herum. Einzig bei Diesel, Benzin und Heizöl besteht derzeit nämlich keinerlei Mangellage; wer ein Auto mit Verbrennungsmotor fährt oder mit Öl heizt, hat diesen Winter nicht nur nichts zu befürchten, sondern spart auch ganz automatisch Strom und trägt damit zur Stärkung unserer Energieversorgung bei. Manchmal ist die Realität eben komplexer, als es sich gewisse Kreise wünschen. Und manchmal braucht es zuerst eine Krise, um offensichtliche Zusammenhänge wieder klar und nüchtern erkennen zu können.

Ueli Bamert, Leiter Politik, Avenergy Suisse

Editorials 2021

23.12.2021 – Die Zeichen an der Wand

Jahresende – Zeit des Rückblicks. Und der Wünsche.

Was bleibt von 2021 – ausser Corona? Vielleicht die Erinnerung an ein Jahr, in welchem die Energieversorgungssicherheit erstmals seit Langem wieder an den Stammtischen diskutiert wurde. Plötzlich geht das Gespenst der Knappheit um. Zehn Jahre nach dem überstürzten Beschluss der Landesregierung, künftig auf bewährte Energiequellen zu verzichten und es lieber mit dem Prinzip Hoffnung zu versuchen, mehren sich die Zeichen eines Scheiterns dieser Energiepolitik. Mitte Oktober forderte der Bundespräsident die Unternehmen auf, sich auf eine mögliche Stromknappheit vorzubereiten. In einer solchen Situation müssten Unternehmen und Fabriken den Betrieb herunterfahren. Auch Busse, Trams und Züge könnten nur noch eingeschränkt fahren. Bereits in den kommenden Jahren droht eine Strommangellage, in welcher der Bedarf der Schweiz während mehrerer Tage nicht mehr gedeckt werden kann. Zu diesem Schluss kommt eine externe Studie im Auftrag des Bundesamtes für Energie und der Eidgenössischen Elektrizitätskommission.

Ungemach droht längerfristig aber auch im Erdöl- und Erdgasmarkt. Viele der grossen Energiekonzerne hinterfragen unter dem Druck der Klimapolitik zunehmend ihre Investitionen in die Erkundung und Förderung neuer Erdölund Gasvorkommen. In Öl, Kohle und Gas zu investieren, ist verpönt, wird am Ende vielleicht gar kriminalisiert. Milliardenbeträge sollen in die grüne Energieproduktion umgeleitet werden. Was von den Klimaaktivisten bejubelt wird, treibt die Energiepreise langfristig in die Höhe und heizt die Inflation zusätzlich an. Die Preise an den Zapfsäulen haben diesen Herbst einen Vorgeschmack darauf gegeben, wohin die Reise führen könnte. In der wohlhabenden Schweiz hat dies bis anhin zwar noch keine besonders hohen Wellen geworfen. Anderswo sind die explodierenden Energiepreise aber das Topthema: Die Regierungschefs der EU-Staaten und US-Präsident Joe Biden setzten alle Hebel in Bewegung, um die Gas- und Treibstoffpreise in ihren Ländern wieder in den Griff zu bekommen. Offensichtlich stehen günstige Energiepreise, sozialer Friede und politische Macht in einem engen Verhältnis zueinander.

Zugegeben, dieser Text ist keine Ode an die Fröhlichkeit, wie es sich für die Adventszeit eigentlich geziemen würde. Wir stehen vor kolossalen Herausforderungen, die wir ernst nehmen müssen. Ich möchte trotzdem die Gelegenheit nutzen, zwei Wünsche für das kommende Jahr anzubringen. Erstens wünsche ich uns allen die Klugheit, am selben Strick zu ziehen und damit aufzuhören, nach Schuldigen zu suchen. Es gibt sie nicht, die böse Macht, die um jeden Preis das Klima killen will. Zweitens wünsche ich uns die Gelassenheit, mit dem scheinbaren Widerspruch zu leben, dass wir für die sichere Energietransition noch etliche Jahre auf die fossilen Energieträger angewiesen sein werden. Wir leben im Erdölzeitalter, und dieses lässt sich nicht einfach mit ein paar Federstrichen und etwas gutem Willen überwinden.

Roland Bilang, Geschäftsführer Avenergy Suisse

Editorials 2020

17.12.2020 – E-Fuels im Vormarsch

Obwohl synthetische Treibstoffe noch weit von wirtschaftlicher Marktreife entfernt sind, ist die Akzeptanz bei den Konsumenten vorhanden.

Rund die Hälfte der Kunden würde heute bei einem Neuwagen auf einen Verbrenner setzen. Dies hat eine repräsentative Umfrage von Bosch in Europa ergeben. Und: 70 Prozent der Befragten befürworten eine Umweltprämie auch für saubere Verbrenner.

Das zeigt: Der Verbrenner ist noch lange nicht am Ende, das Bedürfnis nach sauberen Verbrennungsmotoren auch bei den Kunden hoch. Die überwiegende Mehrheit der Befragten unterstützt auch eine steuerliche Unterstützung von synthetischen Treibstoffen.

Diese können einen grossen Beitrag zu weniger klimaschädlicher Mobilität leisten. Erneuerbare Energie wird genutzt, um Wasser (H2O) per Elektrolyse in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) zu spalten. Der Atmosphäre wird per Direct Air-Capture (DAC) CO2 entzogen. Aus dem Wasserstoff und dem Kohlenstoffdioxid werden im Power-to-Gas-Verfahren (PTG) synthetische Treibstoffe hergestellt. Der Wasserstoff und der Kohlenstoff bilden dabei die für die Verbrennung wichtigen Kohlenwasserstoffmoleküle. Bei der Verbrennung im Motor zersetzen sich diese wieder, ausgestossen wird Wasser (H2O) und CO2. Der Kreislauf beginnt von vorne.

Güterverkehr als Treiber
Neben Porsche arbeiten auch andere Hersteller und Konzerne aus dem Automobilsektor an synthetischen Treibstoffen. So forscht Zulieferer Bosch an E-Fuels. «Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, kommen wir um E- Fuels nicht herum», sagt Stefan Hartung, Mitglied der Geschäftsführung von Bosch. «Nur mit synthetischen Kraftstoffen können die weltweit mehr als eine Milliarde Fahrzeuge, die bereits auf den Strassen sind, zum Klimaschutz beitragen.» Der deutsche Konzern arbeitet selber nicht aktiv an der Entwicklung von E-Fuels. «Unsere Rolle ist es, die kraftstoffführenden Komponenten E-Fuel-ready zu machen», so Pressesprecher Joern Ebberg. Auch Audi hatte 2017 angekündigt, versuchsweise in die Produktion von synthetischem Diesel einzusteigen. Dies sollte sogar in einer Anlage in der Schweiz im aargauischen Laufenburg passieren. Wie inzwischen bekannt wurde, hat man das Projekt aber Anfang dieses Jahres eingestellt.

Das grösste Projekt in Europa zur Produktion synthetischer Treibstoffe entsteht derzeit in Norwegen. Unter dem Namen Norsk E-Fuel arbeiten verschiedene Firmen, darunter auch der Schweizer Direct-Air-Capture-Experte Climeworks an einer Produktionsanlage, die bis 2026 jährlich 100 Millionen Liter E-Fuels produzieren soll. Diese sollen primär in «schwer elektrifizierbaren Sektoren» zum Einsatz kommen, also vorderhand im Flugverkehr und in der Schifffahrt.

«In manchen Bereichen, etwa im Gütertransport auf langen Distanzen, sind die flüssigen Energieträger schlichtweg alternativlos. Auch das ausschliesslich mit Batteriestrom betriebene Flugzeug wird ein exotisches Experiment bleiben», ist Roland Bilang, Geschäftsführer von Avnergy, überzeugt. «Die Zukunft gehört also sehr wohl auch den flüssigen Energieträgern, deren fossiler Anteil laufend gesenkt werden kann. Theoretisch spricht nichts dagegen, dass in einigen Jahren 100 Prozent biogene und synthetische Treibstoffe aus der Zapfpistole kommen, sodass der Strassenverkehr dann vollständig CO2-frei wäre.»

Roland Bilang, Geschäftsführer Avenergy Suisse

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