Biogene und synthetische Flüssigbrennstoffe könnten künftig einen Beitrag zur CO2-Reduktion im Wärmemarkt leisten – sofern sämtliche beteiligten Partner gemeinsam wie bei einem Puzzle ihren Teil beitragen. So lautet das Fazit der ersten von Avenergy Suisse organisierten Bioheizöltagung in Olten.

Wie können biogene und synthetische Flüssigbrennstoffe einen Beitrag zur CO2-Reduktion im Wärmemarkt leisten? Welche technischen Voraussetzungen sind vonseiten Kessel- und Brennerhersteller zu erfüllen? Und welche Schritte sind im Bereich Normierung notwendig? Um diese Fragen drehte sich die Tagung «Chance Bioheizöl» von Avenergy Suisse vom Mittwoch, 26. Februar 2020, im Hotel Arte in Olten, an welcher rund 120 Gäste aus der Branche teilnahmen.

Moritz Bellingen, Präsident des Europäischen Heizölverbands Eurofuel, referierte zum Thema «Erneuerbare Brennstoffe – ein Instrument gegen Ölheizungsverbote». Dabei beleuchtete er Themen wie die Akzeptanz regenerativer flüssiger Brennstoffe und die verschärften CO2-Grenzwerte: «In Norwegen wurde ein absolutes Nutzungsverbot von Ölheizungen ausgesprochen, ausser beim Einsatz von 100% Bioheizöl», hielt er fest. Die Schweiz gehe andere Wege. Sie erlasse Anforderungen, die kaum zu erfüllen seien. Bellingen nannte in diesem Zusammenhang die CO2-Gesetzgebung als ein «technologieoffenes Heizölverbot». Dies bedeutet, dass die Technik per se zwar nicht verboten, ihre Anwendung aber derart erschwert bzw. verteuert wird, dass sich die Konsumentinnen und Konsumenten langfristig davon abwenden.

Bellingen skizzierte eine sogenannte «Roadmap Heizöl». Ziel sei es, von der neuen Brennwertheizung über die Hybridheizung zu den sogenannten «Future Fuels» zu gelangen. Eine Massnahme auf diesem Weg könne bis 2030 der Einsatz von Bioheizöl sein. «Woher nehmen wir die Future Fuels?», fragte Bellingen in die Runde und verwies im Besonderen auf die erneuerbaren flüssigen Brennstoffe Biodiesel (FAME, Fatty Acid Methyl Esther), Pyrolyseöl, Fuels auf Algenbasis, OME, HVO und PTL (Power to Liquid).

Besonders der südliche Teil Europas und Afrika eignen sich laut Bellingen für die Herstellung der Produkte. Damit würden diese zu Importprodukten: «Wir werden weiterhin grosse Energiemengen importieren müssen – und dies auch weiterhin in Form von flüssigen Brennstoffen.» Die entsprechenden Kosten belaufen sich ab 2030 auf 0,98 bis 1,75 Euro. Hinzu kämen noch Steuern und Abgaben. Es sei beruhigend zu sehen, dass sich die Kosten damit im Rahmen halten: «Wenn man den CO2-Ausstoss um die Hälfte reduzieren kann, darf der Brennstoff durchaus ein bisschen mehr kosten», hielt Bellingen fest.

Ueli Bamert, Geschäftsführer von Swissoil, beleuchtete das energiepolitische Umfeld in der Schweiz. Dabei zeigte er unter anderem das Energiedilemma «Denuklearisierung vs Dekarbonisierung» auf und bot eine Einordnung der Umsetzung der MuKEn sowie der Revision des CO2-Gesetzes, welches in der Frühlingssession vom Nationalrat beraten wird. Dieses bringe ein faktisches Verbot von Ölheizungen ab 2023, eine massive Erhöhung der CO2-Abgabe auf max. 210 Franken, eine künstliche Verteuerung der Treibstoffe um zwölf Rappen pro Liter sowie eine Flugticketabgabe. Insgesamt sei klar, dass für Ölheizungsbesitzer «schikanöse neue Regeln» eingeführt werden.

Die Stossrichtung aus Sicht von Swissoil sei deshalb, auch Bioheizöl als Chance zur Erfüllung der Vorgaben einzusetzen. Allerdings sei die Politik «wenig begeistert» von Bioheizöllösungen: «Man will am liebsten überhaupt keine Brenner mehr in den Gebäuden haben.» Man erkenne dies auch daran, dass der CO2-Gesetzesentzwurf vorsehe, Bioheizöl bei der CO2-Reduktion nur zur Hälfte anzurechnen, selbst wenn das Produkt vollständig klimaneutral sei. Ein Referendum sei so gut wie sicher. «Die Heizölbranche ist in ihrer Existenz gefährdet. Wir zählen auf Ihre Unterstützung beim Sammeln der Unterschriften und bei der Referendumsabstimmung», sagte Bamert zu den Anwesenden.

Beat Gasser, Leiter Wärmetechnik bei Avenergy Suisse, erläuterte das technische Umfeld in der Schweiz. Sowohl FAME als auch HVO könnten laut Gasser die Anforderungen der Politik zur CO2-Reduktion erfüllen. Bemerkenswert sei, dass elektrisch betriebene Wärmepumpen beim Bund als CO2-neutral geführt werden. Dies gelte, selbst wenn die entsprechenden Kriterien nicht erfüllt werden, insbesondere wenn die Anlagen mit Strom aus der EU betrieben werden, so Gasser, der die Erfahrungen mit FAME und HVO erläuterte.

Als Vorteile von HVO benannte er vor allem die Lagerfähigkeit und die Ähnlichkeit zu herkömmlichem Heizöl. Als Nachteil verwies er auf die noch schlechte Verfügbarkeit. Diese sei besser bei FAME. Ein Nachteil sei, dass FAME Lösungsmittelcharakter habe, was unter Umständen zu Farbablösungen in einem Stahltank führen könne. Sowohl FAME als auch HVO werden hauptsächlich importiert, so Gasser.

Bei der Umsetzung der MuKEn wurde laut Gasser in den Kantonen AG, GL, GR und TG Bioheizöl in die Gesetzesvorlagen aufgenommen. Noch sei es allerdings aufgrund der Heizölnorm nicht zugelassen, 20 Prozent FAME beizumischen. Die Zukunft liege bei Power to Liquid, also bei synthetischen Brennstoffen. «FAME scheint kurzfristig der schnellste Weg zu sein, wir unterstützen aber auch die längerfristige Entwicklung der synthetischen Produkte.»

Günther Köb, Hoval SA/AG, informierte über den aktuellen Stand der Freigabe von Ölheizungen für Bioheizöl. Zu berücksichtigen seien die Normierungen, die Additivierung, die Installationsempfehlungen, die Anlageneffizienz und die Materialverträglichkeiten. So ist beispielsweise bei den meisten Öltanks die Beimischung von bis 20 Prozent FAME «kein Problem». Höhere Anteile seien für Polyamid- und Polyethylentanks indes nicht geeignet. Offene Fragen bestünden bei FAME-Anteilen ab 10 Prozent jedoch bei den Ölpumpen und den Öldüsen, während hier der Einsatz von HVO unproblematisch sei. Laut Köb sind alle Ölheizungen bis zu einem FAME-Anteil von 10 Prozent freigegeben. Bei einem FAME-Anteil zwischen 10 und 20 Prozent sind indes bereits verschiedene Punkte in Bezug auf die Materialverträglichkeit zu beachten, und eine Tankreinigung sei notwendig. Bei höheren FAME-Anteilen müssten sogar noch weitergehende Punkte in Bezug auf die Materialverträglichkeit beachtet werden. Die Praxiserfahrungen mit Feldtestanlagen sind laut Köb positiv. Demnach könnten «erhebliche Mengen» CO2 eingespart werden.

Martin Joss, Projektleiter bei Biofuels Schweiz, berichtete über den Bereich der Normierung von FAME als Brennstoff. Entscheidend sei der Konsens aller interessierter Kreise. «Das sind beispielsweise Behörden, Institute und Anwender.» Nur wenn die Produzenten gemäss anerkannten Normen produzieren und die Händler entsprechende Normprodukte vertreiben, sei für die Verbraucherinnen und Verbraucher garantiert, dass die Heizung auch tadellos funktioniere, so Joss. «Darum ist es wichtig, dass das Produkt von allen akzeptiert wird.»

Im Normengremium gehe es derzeit unter anderem um Punkte wie die Dichte, die Viskosität, den Wassergehalt, den Brennwert und nicht zuletzt natürlich den FAME-Gehalt. Ziel sei es, das Produkt mit einem FAME-Anteil von mindestens 20 Prozent möglichst nahe an HEL Öko schwefelarm anzulehnen. Nach Fertigstellung des Normenentwurfs und der öffentlichen Vernehmlassung soll die Norm im Herbst 2020 veröffentlicht werden können.

Gianluca Joerin, CEO Suter Joerin AG, stellte den Leitfaden Verkaufsberatung für Bioheizöl vor. Das Produkt trage die Bezeichnung «Heizöl Bio20». Dieser Name zeige genau, worum es gehe, so Jörin: «Es handelt sich um Heizöl, es ist biologisch und der Anteil an FAME beträgt 20 Prozent.»

Die Vermarktung sei in drei Bereiche unterteilt worden: die Anreize für den Verbraucher (Pioniergeist, Gesetzgebung, etc.), die Anreize für den Verkäufer (Erhalt Kunde und Geschäftsmodell) und schliesslich Heizung/Tank (Lagerstabilität, Tankreinigung, Farbanstrich/Innenhülle, etc.). «Seien Sie sich bewusst, dass es nicht um ein 08/15-Geschäftsmodell geht. Sie müssen die Kundschaft gut beraten und können künftig nicht einfach über den Preis verkaufen – und Sie müssen darauf hinweisen, dass vor der erstmaligen Befüllung mit dem neuen Produkt eine Tankreinigung notwendig ist.» Joerin wies auf das Infoblatt «Verkaufsberatung Heizöl Bio» von Avenergy hin, welches die Händler bei der Geschäftsstelle an der Spitalgasse 5 in Zürich beziehen können. Zwar sei ein grossflächiger Vertrieb von Heizöl Bio20 derzeit noch nicht möglich, aber die Erhöhung der Kompetenz der Verkäufer sei zwingend, so Joerin: «Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeitenden wissen, worum es geht.»

Daniel Hofer, Präsident Avenergy Suisse und CEO Migrol, sprach über seine Überlegungen zur Vermarktung von Bioheizöl. Bis 2030 werde in der Schweiz rund 30 Prozent weniger Heizöl vertrieben als 2018, prognostizierte er. Als Haupttreiber für die Entwicklung neuer Produkte nannte Hofer den Preis, gesellschaftliche Trends, die Gesetzgebung und Regulierungen sowie Umwelteinflüsse. In jüngerer Zeit seien vor allem die gesellschaftlichen Trends für Innovationen ausschlaggebend gewesen. «Auch beim Heizöl Bio sprechen wir von einem solchen Produkt, das nicht zuletzt aufgrund gesellschaftlicher Trends für die Branche interessant werden könnte.» Es gehe namentlich um das Thema Nachhaltigkeit, aber auch um die Werterhaltung einer Immobilie. «Und natürlich spielt auch die Gesetzgebung eine entscheidende Rolle.» Daniel Hofers Fazit in Bezug auf die Entwicklung von Bioheizöl lautete: «Wir müssen es jetzt tun!»

Roland Bilang, Geschäftsführer von Avenergy Suisse, wies darauf hin, dass die Branchenverbände in Zusammenarbeit mit den Fachleuten in den Unternehmen miteinander gute Lösungen finden werden. Es handle sich um ein eigentliches Puzzle, bei dem die unterschiedlichsten Partner einen wichtigen Teil beitragen. «Ich bin überzeugt, dass die heutige Veranstaltung zum Thema Bioheizöl nicht die letzte war. Im nächsten Jahr werden wir dann sehen, wie weit wir gekommen sind», fasste Bilang zusammen. Zum Thema Bioheizöl ist für Diskussionsstoff gesorgt. Dies zeigten auch die angeregten Gespräche der Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer während der Pause am Vormittag und beim Mittagessen.

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