Rekordzahl an Öltankern auf dem Weg nach China.

Die Zahl der Öltanker, die sich auf dem Weg nach China befinden, hat ein neues Sechsmonatshoch erreicht. Insgesamt sollen aktuell 127 Schiffe Ware in die Volksrepublik transportieren. Damit könnten in den nächsten Wochen bis zu 250 Mio. Barrel an den Verladehäfen des grössten Ölimporteurs der Welt ankommen.

Ein Anstieg der chinesischen Importe spricht vor allem für den Optimismus bezüglich der Nachfrage im Land. Der Vorstandsvorsitzende von Shell, Ben Van Beurden, sprach vergangene Woche von einem «signifikanten Wachstumsmodus». Zwar befinden sich aktuell noch Teile des Landes im Lockdown, doch sinken die Infektionszahlen inzwischen wieder, so dass eine schnelle Öffnung durchaus wahrscheinlich ist.

Vitol warnt Ölmarkt vor zu grossem Optimismus

Mike Muller, der Leiter des Asiengeschäfts beim internationalen Rohstoffhandelshaus Vitol, hat am Wochenende zur Vorsicht bezüglich der hohen Ölpreise gemahnt. Diese seien schneller gestiegen als vom den Energiemärkten vorhergesagt. Chinas Ölnachfrage habe sich zwar schnell erholt. Aber eine vollständige Erholung hänge davon ab, dass der Verbrauch auch anderswo anziehe, so Muller.

«Der Rest der Welt ist in der Pflicht, denn China kann nicht viel schneller konsumieren, als es das bereits tut», sagte der Experte am Sonntag bei einem Interview. Allerdings sieht er hier auch das grösste Problem: «Der Markt freut sich etwas zu früh, zum einen, was die Impfstoffeuphorie angeht, zum anderen auch in Bezug auf die Überzeugung, dass die OPEC das Angebot auch künftig so effektiv wird steuern kann.»

Die Preise sind seit Anfang November stetig gestiegen, was vor allem mit den neu entwickelten Impfstoffen und den OPEC+ Produktionskürzungen zusammenhing. Doch Muller warnt, dass nach wie vor zahlreiche grosse Volkswirtschaften im Lockdown sind und die Impfkampagnen mancherorts nur sehr stockend voranschreiten. Am Freitag hatte auch schon Gunvor-Chef Torbjorn Tornqvist Zweifel an einem weiteren Preisanstieg geäussert.

Einer der Gründe für die aktuelle Preisrallye ist der Rückgang der weltweiten Lagerbestände. Diese waren zu Beginn der Corona-Krise fast überall stark gestiegen. Doch dank massiver Produktionskürzungen seitens der OPEC+ und einer schneller als erwarteten Erholung der Nachfrage im asiatischen Raum, konnten die weltweiten Lagerbestände schneller abgebaut werden als angenommen.

Laut Analyst Martijn Rats von Morgan Stanley ist die Menge an Rohöl und Ölprodukten seit ihrem Höchststand im Jahr 2020 um etwa 5 Prozent gesunken. Auch die Daten des DOE von letzter Woche zeigen, dass die Lagerbestände im US-Zentrallager in Cushing, Oklahoma wieder deutlich abgenommen haben. Es war der vierte Rückgang in Folge.

Das Corona-Virus bleibt allerdings ein enormer Risikofaktor, der nach wie vor für Unsicherheit an den Ölmärkten sorgt. In dieser Woche werden sich die Marktteilnehmer vor allem auf die neuen Monatsberichte konzentrieren, die am Dienstag (EIA), und Donnerstag (IEA und OPEC) erwartet werden.

Quellmaterial: Futures-Services Mineralöldienst

8.2.2021

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